daily operation: 2015-12-31

written on a Thursday
original file: 20151231
>>   random d.ope: 20180609

251 chunks of dope:

Full version:

Hallo ihr Lieben,

ich wollte das alte Jahr nicht verstreichen lassen, ohne mich in dieser Angelegenheit noch einmal zu melden, zumal ich lange nichts von mir hab hören lassen. Als ich mich an euch wandte, war es eigentlich schon zu spät, die Idee ist schon älter, und Thomas hatte mir schon Anfang des Jahres den Ball zugespielt. Dementsprechend habe ich alle Termine für eine eventuelle Förderung des Projekts verpasst. Auch ist derzeit in meiner Familie hoher Seegang, was meine ungeteilte Aufmerksamkeit und vollen Einsatz erfordert.

Das Projekt an sich, die Verwirklichung von Thomas' Idee und meine eigene Beschäftigung mit Werk und Wirken meines Vaters liegt mir jedoch nach wie vor am Herzen, so das ich das nicht einfach als Fehlschlag hinzunehmen gewillt bin. Vielleicht verschieben wir die Veranstaltung wie angedacht einfach um ein Jahr, oder um drei. Den Dingen die Zeit geben, die sie brauchen, ohne das Ziel, das vielleicht auch einfach nur der Weg ist, aus den Augen zu verlieren. Dann könnte ich es schaffen, meine Gedanken klarer und überzeugender formulieren, dann könnten wir eine Förderung erhalten, die dem Anlass angemessen ist und uns materiell den Rücken freihält, uns in ausreichender Tiefe auf das Vorhaben einzulassen. Vielleicht spreche ich da auch nur für mich, der zu viele schöne Projekte wegen notwendiger Auftragsarbeiten nach hinten priorisieren musste. Denn:

... Mein Blick

ist noch nicht arbeitslos,
ich zieh mir die Zeit
übern Schädel.

Will sagen: Time's the Big One, heutmorgen sind die Kinder aus dem Haus, die Enkel, mein schwer schuftender Blick trampelt auf jeglichem Anflug von Beklemmung beim Über-den-Kopf-ziehen der Zeit erbarmungslos herum.

Im Grunde genommen geht es mir um mehrere Punkte: Der offensichtlichste, persönlichste vielleicht, als Suchender, der von Rolf keine Antworten mehr bekommt, seit langen Jahren, stelle ich mich meinen Dämonen, die sein plötzliches Verschwinden in mir erwachen liess. Weiterhin liegt mir am Herzen, sein Werk weiter zu verbreiten und die Antworten, die ich finde, auf Fragen, die sich mir damals nicht gestellt haben, in Bezug zu setzen zu den Fragen, die mir heute unbeantwortet bleiben. Und darüber hinaus noch möchte ich eine Verbindung knüpfen zwischen den Kämpfen, die Rolf und seine Freunde kämpften und denen, in die die Generation seiner Kinder verwickelt ist, alte und neue Feinde benennen, Taktiken und Strategien überprüfen, voneinander lernen. Dies alles habe ich vor zehn Jahren schon begonnen, und es liegt mir im Magen, dass ich es noch nicht zu Ende gebracht habe.

Ernest hat den 17.2. im Literaturhaus geblockt, an dem Termin könnten wir zum Beispiel ein Kennenlern-Treffen abhalten, um die Ideen zu sammeln, zu verfeinern, zu verfilzen, oder vielleicht einfach nur einen Wein trinken. Oder, falls der Termin anderwertig vergeben werden muss, entsprechend an einem anderen angenehmen Ort. Ich glaube derzeit nicht, dass ich in der verbleibenden Zeit das Projekt so weit voranbringen kann, dass es zumindest meinen Ansprüchen genügt.

So sitze ich nun hier an meinem Schreibtisch, frisch gebadet, die Wohnung gesaugt, neben mir ein Gläschen Pan Tadeusz, und bevor ich gleich zu meinen Nachbarn gehe, um dort ein wenig Soziales rund um den Jahreswechsel zu erleben, schreibe ich euch, um euer Vertrauen in dieses schöne Vorhaben zu bestärken, und euch zu danken, für den Einsatz den ihr schon gebracht habt. Dazu gesellen sich meine besten Wünsche, was das neue Jahr betrifft, für euch und eure Lieben. Und für den Rest der Menschheit, wenn wir schon mal dabei sind.

In diesem Sinne, einen guten Rutsch und alles Gute,

frank